Das Hiltruper Bahnhofsgebäude entstand im Jahr 1908 und ist eines der letzten erhaltenen ehemaligen Empfangsgebäude der Eisenbahn in Münster.

Bereits im Jahr 1848, nur dreizehn Jahre nach Einweihung der ersten Eisenbahnstrecke in Deutschland, wurde die wirtschaftlich wichtige Bahnverbindung zwischen Münster und Hamm eröffnet. Der ursprüngliche Haltepunkt für Hiltrup, Amelsbüren und Albersloh befand sich zunächst weiter südlich am Rande der Hohen Ward an der Fernstraße nach Hamm und Dortmund und wurde nach dem naheliegenden Gasthaus „Dicke Weib“ benannt. Allerdings lag die Station mehr als eine halbe Stunde Fußweg vom alten Dorf Hiltrup entfernt. Bei schlechtem Wetter waren die Wege völlig verschlammt und die Kutschen konnten mitunter nicht rechtzeitig die Züge erreichen. Daher wurde die Haltestelle 1868 näher zum Dorf an ihren heutigen Standort verlegt und „Station Hiltrup“ benannt. Der Haltepunkt erhielt außerdem ein kleines Empfangsgebäude.

Im Oktober 1879 kam ein separater Güterbahnhof für Wagenladungs- und Stückgutverkehr hinzu, der insbesondere ab Eröffnung des Glasurit-Werks im Jahre 1903 an Bedeutung gewann. Gemeinsam mit dem 1899 eröffneten Dortmund-Ems-Kanal sorgte der Bahnanschluss für wirtschaftlichen Aufschwung in der Gemeinde Hiltrup. Die entstehenden Arbeitsplätze in den  Industrieansiedlungen sorgten für ein kräftiges Bevölkerungswachstum und einen verstärkten Personen- und Güterverkehr. Diesem kam man 1908 durch den Bau des vergrößerten und bis heute stehenden Bahnhofsgebäudes entgegen, für den der Vorgängerbau abgerissen wurde.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts verloren der Haltepunkt Hiltrup wie auch das Bahnhofsgebäude in Anbetracht des Ausbaus von Intercitystrecken über Münster an Bedeutung; Fahrkartenverkauf und ein kleines Kioskangebot zogen in einen seitlichen Neubau um. Nachdem sich in den 1980er und 90er Jahren verschiedene Diskotheken und Kneipen im Gebäude abgewechselt hatten, kam es 1995 zu einem Brand im Bahnhofsgebäude, das daraufhin drohte zur Ruine zu verkommen. Nach etwa 20 Jahren Leerstand wurde dem ehemaligen Empfangsgebäude neues Leben eingehaucht: Nach umfassenden Sanierungsarbeiten beheimatet es seit 2014 außer einem Gastronomiebetrieb den von der STADTTEIL Offensive Hiltrup e. V. betriebenen „Kulturbahnhof“. Regelmäßig finden nun Konzerte, Ausstellungen, Theatervorstellungen und Feste im Kulturbahnhof statt.

Bahnstrecke mit Lokomotive, Haltestelle "Dicke Weib" (ca. 1940)

Bahnstrecke mit Lokomotive, Haltestelle "Dicke Weib" (ca. 1940)

Ehemaliges Stellwerk am Hiltruper Bahnhof (1964)

Ehemaliges Stellwerk am Hiltruper Bahnhof (1964)

Güterschuppen am Hiltruper Bahnhof (ca. 2000)

Güterschuppen am Hiltruper Bahnhof (ca. 2000)