Die Alte Clemenskirche wurde im 12. Jahrhundert im damaligen Dorf Hiltrup erbaut. Sie gehört zu den ältesten steinernen Kirchenbauten im Münsterland. Stifter war vermutlich der Bischof von Münster. Derartige Stiftungen wurden im Mittelalter auf dem Grund und Boden des Stifters errichtet, um die Seelsorge der Dorfbewohner, die zu seinem Gutshof gehörten, sicherzustellen. Dazu statteten die Stifter die Kirche mit Besitzungen aus, die das Einkommen des Priesters sicherstellten. Größere Steinbauten wie die Clemenskirche waren zu dieser Zeit allerdings selten, was die Bedeutung des Kirchenbaus für den Stifter dokumentiert. Ihren Stellenwert erhielt die Kirche möglicherweise auch durch ihre Lage am so genannten Hellweg, einer wichtigen mittelalterlichen Fernstraße von Münster über Werne und Hamm nach Dortmund. Die Aufsicht über die Kirche und ihre Einnahmen hatte seit 1233 die Pfarrei St. Ludgeri in Münster inne.

Dorfkirchen wie Alt St. Clemens dienten in Mittelalter und Neuzeit nicht nur als Gotteshaus. Das starke Mauerwerk bot auch Schutz für die Dorfbevölkerung im Falle von Angriffen. Ihr ursprünglich ca. 5.000 Quadratmeter großer Kirchhof war bis weit in die Neuzeit hinein Kommunikations- und Versammlungsraum des Dorfes und seiner Bewohner. Von der ursprünglichen Baustruktur rund um die Kirche ist jedoch kaum noch etwas erhalten. Bis zum Jahre 1877 befand sich neben der Kirche auch der Friedhof von Hiltrup.

Am Außenbau lassen sich deutlich die unterschiedlichen Bauperioden ablesen. Teile der ursprünglichen Bausubstanz des Turms und des Langhauses aus dem 12. Jahrhundert sind bis heute erhalten. Der Turm ist aus festen Mauern von 1,50 Metern Dicke und 22 Metern Höhe erbaut. Kleine Lichtschlitze im Mauerwerk lassen das Tageslicht herein und beleuchten im Inneren die Treppe. Im Turm befindet sich auf erhöhter Ebene ein Raum, der sich mit einer in Westfalen seltenen Doppelarkade zum Kirchenraum und Altar hin öffnet. Derartige Räume dienten in der Regel zur Teilnahme des Stifters, seiner Angehörigen oder anderer ranghoher Personen am Gottesdienst, die sich dadurch vom einfachen Kirchvolk im Langhaus separierten.

An das romanische Langhaus wurde im 16. Jahrhundert der spätgotische Chorraum angebaut. Der spätgotische Schlussstein der Gewölberippen über dem Altar zeigt ein Bild des Heiligen Clemens, Namenspatron der Kirche, mit Tiara (dreifacher Krone), päpstlichem Kreuz und Anker.

Im Zuge der voranschreitenden Industrialisierung um 1900 und durch große Industrieansiedlungen im Osten Hiltrups stieg die Bevölkerungszahl des Dorfes und somit auch der katholischen Gemeindemitglieder stark an. Die alte Pfarrkirche war für die wachsende Gemeinde zu klein geworden und so entschied man sich dazu, eine größere Pfarrkirche zu bauen.

Nach der Einweihung der neuen Clemenskirche an der Hohen Geest 1913 wurde Alt St. Clemens profaniert (entweiht) und diente seitdem unter anderem als Nähschule, Turnhalle, Kinosaal, Luftschutzbunker und Abstellschuppen. Nach größeren Instandsetzungsarbeiten und der erneuten Weihung finden hier seit 1965 wieder Gottesdienste statt.

Alt St. Clemens im Winter (1996)

Alt St. Clemens im Winter (1996)

Alt St. Clemens mit der Mühle Kroos (ca. 1955)

Alt St. Clemens mit der Mühle Kroos (ca. 1955)